Kleine Beutenkäfer
Der Kleine Beutenkäfer (Aethina tumida) ist ein Bienenschädling, der als Tierseuche gilt und bekämpft werden muss. Durch den internationalen Handel verbreitete er sich weltweit und wurde 2014 erstmals in Süditalien nachgewiesen. Seine Larven schädigen Brut und Vorräte in Bienenstöcken und stellen eine zusätzliche Herausforderung für die Imkerei dar.
Der Kleine Beutenkäfer, dunkelbraun bis schwarz gefärbt, gehört zur Familie der Glanzkäfer (Nitidulidae). Die ausgewachsenen Käfer sind mit etwa fünf Millimeter Länge und drei Millimeter Breite rund ein Drittel so groß wie eine Honigbiene. Befruchtete Weibchen legen ihre Eier bevorzugt in schmale Spalten und Ritzen im Inneren der Bienenbeute. Sie können jedoch auch Löcher in Zelldeckel und Zellwände beißen, um die Eier direkt an der Bienenbrut abzulegen.
Die weißlich bis beige gefärbten Larven schlüpfen bereits nach ein bis drei Tagen. Innerhalb von zehn bis vierzehn Tagen entwickeln sie sich weiter und erreichen das sogenannte Wanderlarvenstadium mit einer Länge von etwa zehn Millimeter. In diesem Stadium verlassen sie die Beute und graben sich zur Verpuppung in den Boden ein. Bei sommerlichen Temperaturen schlüpft nach rund drei bis vier Wochen die nächste Käfergeneration, die dann erneut Bienenvölker befällt.
Ursprünglich stammt der Kleine Beutenkäfer aus Afrika, südlich der Sahara. Durch den weltweiten Handel mit Honigbienen wurde er um die Jahrtausendwende nach Nordamerika und Australien eingeschleppt. Dort breitete er sich rasch über große Regionen aus. Inzwischen wurde der Kleine Beutenkäfer auf allen Kontinenten – mit Ausnahme der Antarktis – mindestens einmal nachgewiesen.
Trotz EU-weiter Importbeschränkungen gelangte der Käfer nach Europa: Im September 2014 wurde er erstmals in Kalabrien (Süditalien) festgestellt. Eine vollständige Tilgung aus der Region war seither nicht mehr möglich.
Die Übertragung des Kleinen Beutenkäfer erfolgt vor allem über weite Strecken durch den Handel mit Bienen und das Verbringen ganzer Bienenvölker. Er ist aber auch in der Lage, Bienenvölker selbst aktiv anzufliegen und sich so auf natürliche Weise zu verbreiten. Auch Hummeln sowie stachellose Bienen können als alternative Wirte dienen, während eine Beteiligung von Solitärbienen bislang nicht eindeutig geklärt ist.
Adulte Käfer lassen sich vor allem durch ihre kurzen Flügeldecken (Elytren) und keulenförmigen Antennen eindeutig identifizieren. Die Larven verfügen über drei gut erkennbare Vorderbeinpaare sowie dornenähnliche Fortsätze auf dem Rücken jedes Körpersegments. Die Larven des Kleinen Beutenkäfers ernähren sich von Honig, Pollen und Brut. Dabei beschädigen sie nicht nur die Waben, sondern verunreinigen auch den Honig. In leicht befallenen Völkern sind typische Fraßgänge der Larven sowie schleimig wirkende Stellen auf den Waben erkennbar.
Bei starkem Befall laufen die Waben aus: Der vergorene, faulig riechende Honig tropft auf den Beutenboden und kann sogar aus dem Flugloch austreten. In besonders schweren Fällen verlassen die Bienen das Volk vollständig („Absconding“), und die Wabenstruktur wird durch den Larvenfraß vollständig zerstört.
Es besteht keine Gefahr für den Menschen.
Die zuverlässigste Methode zur Diagnose des Kleinen Beutenkäfers ist die visuelle Kontrolle der Bienenvölker auf adulte Käfer, Larven oder deren typische Fraßspuren. Für den Nachweis wurden verschiedene Fallentypen entwickelt. Besonders benutzerfreundlich sind Öl-Fallen, die von oben zwischen zwei Oberträger in eine Wabengasse eingeschoben werden.
Ein Befall mit dem Kleinen Beutenkäfer ist anzeigepflichtig – bereits der Verdacht muss umgehend der zuständigen Behörde gemeldet werden. Rechtsgrundlage für entsprechende Maßnahmen ist die Bienenseuchenverordnung.
Da in Deutschland derzeit kein geeignetes Tierarzneimittel zur Bekämpfung zugelassen ist, liegt der Schwerpunkt auf Vorbeugung. Zu den wichtigsten prophylaktischen Maßnahmen zählen regelmäßige und engmaschige Kontrollen, hohe Hygienestandards sowie der Erhalt starker und gesunder Bienenvölker.