Lumpy Skin Disease (Hautknotenkrankheit)

Lumpy Skin Disease (Hautknotenkrankheit)

Die durch das Lumpy Skin Disease Virus (LSDV) verursachte Tierseuche breitet sich nach Jahren der Eindämmung erneut in Europa aus. Betroffen sind Rinder und Wasserbüffel. Während das Virus über lange Zeit ausschließlich in Afrika endemisch verbreitet war, wurden seit 2012 Fälle im Mittleren Osten und seit 2015 auch in Südosteuropa gemeldet. Die Krankheit konnte durch Impfprogramme erfolgreich bekämpft werden. Nun kam es im Juni 2025 zu neuen Ausbrüchen in Italien und Frankreich. 

In Italien und Frankreich wurden bis zum 20. August 2025 insgesamt 129 Ausbrüche der Lumpy Skin Disease (LSD) gemeldet, davon 54 in Italien und 75 in Frankreich. Deutschland ist weiterhin frei von der Seuche. 

Da präventive Impfungen gegen LSD nach EU-Recht nicht vorgesehen sind, besteht lediglich die Möglichkeit einer Notschutzimpfung im Seuchenfall. Das Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) bereitet hierzu vorsorglich eine Eilverordnung vor, um im Bedarfsfall den Einsatz entsprechender Impfstoffe schnell zu ermöglichen. Auf europäischer Ebene wurde der Durchführungsbeschluss (EU) 2025/1764 vom 25. August 2025 erlassen, um Sofortmaßnahmen in Bezug auf das aktuelle Seuchengeschehen in Italien zu ermöglichen.

(Lebensmittelverband, 04.09.2025)

Die Lumpy Skin Disease (LSD, syn. Hautknotenkrankheit) ist eine hochansteckende virale Erkrankung der Wiederkäuer. Von der Krankheit sind in Europa vor allem Hausrinder, Zebus, Bisons und Wasserbüffel betroffen.  Das Krankheitsbild der LSD, auch bekannt als Dermatitis nodularis, wird durch das Lumpy Skin Disease Virus (LSDV) hervorgerufen, das der Familie Poxviridae und dem Genus Capripoxvirus angehört.

Zu dieser zählen außerdem die nah verwandten Spezies Goatpox-Virus (GPV) und Sheeppox-Virus (SPV). Das LSDV weist lediglich einen Serotyp auf und gilt für kleine Wiederkäuer als nicht pathogen, während GPV und SPV für Rinder ebenfalls keine Krankheit verursachen.

Die Inkubationszeit beträgt 4 bis 20 Tage, gefolgt von einer ein- bis zweiwöchigen Virämie. Obwohl die Morbidität (5–45 %) und Mortalität (1–5 %) meist moderat sind, verursacht die Krankheit erhebliche wirtschaftliche Schäden durch Rückgänge in Milchleistung, Hautqualität und Gewichtszunahme. Hinzu kommen strenge Handels- und Bewegungsbeschränkungen im Falle eines Ausbruchs. Die Lumpy Skin Disease ist in Deutschland anzeigepflichtig und gehört zu den von der WOAH gelisteten Tierseuchen.

Die Lumpy Skin Disease (LSD) ist in den meisten afrikanischen Ländern endemisch. Seit 2012 wurden Fälle im Mittleren Osten gemeldet, 2015 erstmals auch in Griechenland. Im Jahr 2016 breitete sich die Krankheit nach Südosteuropa aus, konnte jedoch bis Ende 2017 durch Impfprogramme in Ländern wie Griechenland, Bulgarien und Albanien erfolgreich eingedämmt werden. Der bislang letzte Ausbruch in der Türkei trat 2021 auf; anschließend blieb die Region bis Mai 2025 frei von weiteren Fällen. Im Juni 2025 wurde LSD erstmals in Italien (Sardinien) nachgewiesen, gefolgt von Ausbrüchen in Norditalien (Mantua) und Frankreich (Savoyen). Angesichts dieser Entwicklung ist eine weitere Ausbreitung nicht auszuschließen, wodurch auch Rinder in Deutschland potenziell gefährdet sind.

Das Lumpy Skin Disease-Virus (LSDV) wird in erster Linie durch blutsaugende Insekten (Insecta) und Milben (Acari) übertragen, wobei es sich vermutlich um eine rein mechanische Transmission handelt. Als wichtigste Vektoren gelten Bremsen (Tabanidae), Fliegen (Muscidae), Gnitzen (Ceratopogonidae), Stechmücken (Culicidae) sowie Zecken (Ixodidae). Neben dieser vektorvermittelten Ausbreitung spielen auch weitere Übertragungswege eine Rolle. Dazu zählen direkte Tierkontakte, infiziertes Sperma, unbehandelte Häute und Felle, Produkte aus Rohmilch oder Rohfleisch, kontaminiertes Futter und Kolostrum. Auch indirekte Übertragungen über Wasser, Gerätschaften oder durch Personen (iatrogene Übertragung) sind möglich. Zusätzlich stellt der Handel mit Tieren aus betroffenen Regionen ein erhebliches Risiko für die Einschleppung des Virus in bislang freie Gebiete dar.

Für Deutschland ergeben sich daraus verschiedene Gefährdungsszenarien. Besonders relevant ist der legale Handel mit lebenden Rindern innerhalb der EU, insbesondere aus betroffenen oder angrenzenden Regionen, beispielsweise zu Zucht- oder Mastzwecken. Daneben birgt auch der illegale Tierverkehr Risiken, etwa durch Schmuggel oder nicht dokumentierte Verbringungen im grenznahen Kleinsthandel oder zur Umgehung von Sperrmaßnahmen. Ein weiteres Risiko ist die natürliche Verbreitung durch Vektoren wie Stomoxys calcitrans oder Culicoides-Arten, die durch Wind über mittlere Distanzen verdriftet werden können – insbesondere entlang der westlichen Grenze zu Frankreich und der Schweiz, begünstigt durch hohe Temperaturen. Zudem besteht die Gefahr einer indirekten Einschleppung über kontaminierte Verkehrsträger wie Tiertransporter, Fahrzeuge von Tierhaltern, Personal oder Besucher. Schließlich können auch virushaltige Materialien wie unbehandelte Häute, Sperma, Eizellen, tierische Produkte, Gerätschaften oder Kleidung mit Kontakt zu infizierten Tieren oder Ställen zur Weiterverbreitung beitragen.

Die Lumpy Skin Disease äußert sich mit variabler Symptomatik. Häufige Anzeichen sind hohes Fieber (über 41 °C), Appetitlosigkeit, Nasen- und Augenausfluss, vermehrter Speichelfluss sowie ein deutlicher Rückgang der Milchleistung. Charakteristisch sind druckschmerzhafte Hautknoten von zwei bis fünf Zentimetern Durchmesser, die über den gesamten Körper verteilt auftreten können. Nach einigen Tagen sondern die Knoten ein Exsudat ab, bevor sie nekrotisch werden; auch Schleimhäute sind häufig von ulzerierenden Knötchen betroffen. Typischerweise sind die Lymphknoten geschwollen. Bei tragenden Kühen kommt es oft zu Aborten, während Bullen vorübergehend oder dauerhaft unfruchtbar werden können. Besonders betroffen sind Hautareale im Bereich von Perineum und Skrotum.

Neben diesen schweren Verlaufsformen treten auch subklinische oder asymptomatische Infektionen auf. In experimentellen Infektionsstudien zeigten nur etwa 50 % der Tiere klinische Symptome. Solche klinisch unauffälligen, aber virämischen Tiere erschweren die Früherkennung und tragen wesentlich zur unbemerkten Verbreitung des Virus bei.

Menschen können nicht an Lumpy Skin Disease erkranken. Eine Gefahr für den Menschen oder Haustiere besteht nicht. 

Nach dem großflächigen Ausbruch der Lumpy Skin Disease in Südosteuropa in den Jahren 2015/16 konnte die Seuche durch die Keulung betroffener Herden, die Einrichtung von Schutz- und Überwachungszonen sowie umfassende Impfprogramme mit attenuierten LSDV-Lebendvakzinen erfolgreich getilgt werden. Solche Lebendvakzinen sind in der EU derzeit nicht zugelassen, können jedoch im Rahmen von Notfallimpfungen nach einem entsprechenden Beschluss der EU-Kommission eingesetzt werden. Darüber hinaus haben auch inaktivierte LSDV-Vakzinen ihre Wirksamkeit unter Beweis gestellt und stellen eine zusätzliche Option in der Bekämpfung der Krankheit dar.