Pockenseuche
Schaf- und Ziegenpocken sind hochansteckende, anzeigepflichtige Viruserkrankungen kleiner Wiederkäuer, die vor allem durch ein ausgeprägtes Hautexanthem gekennzeichnet sind. Die Krankheit beginnt mit Fieber und Sekretabsonderungen und führt binnen weniger Tage zu charakteristischen Hautveränderungen, deren Heilung bis zu sechs Wochen dauern kann; besonders Lämmer sind gefährdet. Während Europa derzeit als frei gilt, treten in Südosteuropa weiterhin Ausbrüche auf, und die Viren besitzen ein hohes Ausbreitungspotenzial über ihre Hauptverbreitungsgebiete hinaus.
Das Schafpockenvirus (Sheeppox Virus, SPPV) und das Ziegenpockenvirus (Goatpox Virus, GTPV) sind eng miteinander verwandt und gehören beide zur Gattung Capripoxvirus innerhalb der Unterfamilie Chordopoxvirinae in der Familie Poxviridae. Genetisch unterscheiden sie sich vom Lumpy-skin-disease-Virus (LSDV), das ebenfalls der Gattung Capripoxvirus zugeordnet wird.
Die meisten Stämme von SPPV und GTPV sind wirtsspezifisch und rufen schwere klinische Erkrankungen entweder bei Schafen oder bei Ziegen hervor. Einige Stämme zeigen jedoch bei beiden Tierarten eine vergleichbare Virulenz. Rinder können sich zwar infizieren, geben das Virus jedoch nicht weiter. Fälle einer Infektion beim Menschen sind bislang nicht bekannt.
In Teilen Afrikas und Asiens, im Mittleren Osten und auf dem indischen Subkontinent kommen die Schaf- und Ziegenpocken vor. Der Erreger wurde in Europa bisher nur in südlichen Ländern und Russland diagnostiziert.
Die Übertragung erfolgt überwiegend über Aerosole nach engem Kontakt mit schwer erkrankten Tieren, die ulzerierte Papeln an den Schleimhäuten entwickeln. Sobald diese Papeln nekrotisch sind und neutralisierende Antikörper gebildet werden – in der Regel etwa eine Woche nach Krankheitsausbruch – nimmt die Ansteckungsgefahr deutlich ab. Tiere mit milden, lokal begrenzten Infektionen sind nur selten an der Weiterverbreitung beteiligt. Eine indirekte Übertragung über Insekten als mechanische Vektoren spielt lediglich eine geringe Rolle. Chronische Träger des Virus sind nicht bekannt.
Zu Beginn der Erkrankung treten Fieber, vermehrter Speichelfluss sowie Nasen- und Augenausfluss auf. Innerhalb weniger Tage entwickeln sich Knötchen, gefolgt von Papeln und Vesikeln, vor allem im Kopfbereich, an den Genitalien und am Euter. Die Abheilung dieser Haut- und Schleimhautveränderungen kann bis zu sechs Wochen dauern. Besonders hohe Verluste sind bei Lämmern zu verzeichnen, wenn ausgedehnte Läsionen an den Schleimhäuten des Verdauungs- und Atmungstraktes auftreten und sich infolge bakterieller Sekundärinfektionen Komplikationen entwickeln.
Eine Gefahr für Menschen und Haustiere besteht nicht.
Schaf- und Ziegenpocken zählen zu den anzeigepflichtigen Tierseuchen. Die Bekämpfungsstrategien basieren auf der Verhinderung einer Einschleppung, der frühzeitigen Erkennung von Krankheitsfällen sowie der Tötung infizierter und seuchenverdächtiger Tiere. Zwar stehen abgeschwächte Lebendimpfstoffe zur Verfügung, sie sind jedoch in der EU nicht zugelassen. Prophylaktische Impfungen sind in allen Mitgliedstaaten verboten. Zudem kann nicht zwischen geimpften und mit Feldviren infizierten Tieren unterschieden werden.