Staupe
Die Staupe ist eine hochkontagiöse, durch das Canine Distemper Virus (CDV) verursachte Infektionskrankheit, die bei Hunden sowohl akut als auch chronisch verlaufen kann. Als pantrope Erkrankung befällt sie verschiedene Organsysteme und stellt trotz moderner Impfprogramme nach wie vor ein relevantes veterinärmedizinisches Problem dar. Der Erreger ist eng mit dem Masernvirus des Menschen verwandt und zeichnet sich durch eine gewisse Umweltstabilität aus, ist jedoch aufgrund seiner empfindlichen Hülle gut desinfizierbar.
Die Staupe ist eine hochansteckende, viral bedingte Infektionskrankheit des Hundes, die akut oder chronisch verlaufen kann und mehrere Organsysteme betrifft (pantrop). Verursacht wird sie durch das Canine Distemper Virus (CDV), ein einzelsträngiges, behülltes RNA-Virus aus der Familie der Paramyxoviridae und der Gattung Morbillivirus. Es ist eng verwandt mit dem Masernvirus des Menschen und dem Rinderpestvirus.
Obwohl sich verschiedene Subtypen des Virus hinsichtlich Organtropismus und Krankheitsverlauf (Pathogenität) unterscheiden, zeigen sie keine Unterschiede in ihrer Antigenstruktur. Das Virus kann außerhalb des Wirts unter bestimmten Bedingungen erstaunlich lange überleben – im Sonnenlicht bis zu 14 Stunden, auf Kleidung und in Innenräumen sogar mehrere Tage. Aufgrund seiner empfindlichen Hülle lässt sich das Virus jedoch mit den meisten handelsüblichen Desinfektionsmitteln sowie durch Hitze wirksam inaktivieren.
Die Staupe beim Hund ist bereits seit dem 18. Jahrhundert bekannt. Das verantwortliche Virus wurde erstmals 1905 von einem französischen Tierarzt und Infektiologen (Henri Joseph Carré) nachgewiesen.
Mit der Einführung der Staupe-Impfung in den 1960er-Jahren kam es zu einem deutlichen Rückgang der Erkrankung in den Hundepopulationen. Es treten jedoch weiterhin vereinzelt Fälle auf, die regional sogar epidemische Ausmaße annehmen können – so etwa in Finnland in den Jahren 1994 und 1995. Solche Ausbrüche sind meist auf eine unzureichende Immunisierung innerhalb der betroffenen Population zurückzuführen. Zudem fördern Faktoren wie Tiertourismus und der Import von Hunden aus dem Ausland, die nicht vollständig geimpft sind, die Verbreitung des Virus.
Das Staupevirus wird über alle Körpersekrete ausgeschieden, insbesondere über Speichel, Urin und Kot. Die Infektion erfolgt hauptsächlich auf oralem oder aerogenem Weg, also durch Aufnahme oder Einatmen infektiöser Sekrete bzw. Tröpfchen. Eine indirekte Übertragung über kontaminierte Gegenstände spielt hingegen nur eine untergeordnete Rolle. Der Erreger kann bereits ab dem fünften Tag nach der Infektion nachgewiesen werden. Als Virusreservoir gelten vor allem klinisch unauffällig infizierte Tiere, die das Virus ausscheiden, ohne selbst Krankheitssymptome zu zeigen.
Am empfänglichsten für eine Infektion sind Hunde bis zum sechsten Lebensmonat. Allerdings können auch geimpfte Tiere – sogenannte Impfversager – erkranken, insbesondere bei unzureichender Immunantwort oder fehlerhafter Impfstofflagerung bzw. -verabreichung.
Die Inkubationszeit beträgt in der Regel drei bis sieben Tage. In der Frühphase der Infektion vermehrt sich das Virus ein bis zwei Tage lang zunächst im lymphatischen Gewebe des Rachenrings sowie in den Bronchiallymphknoten. Im weiteren Verlauf breitet sich die Virusreplikation auf andere lymphoretikuläre Gewebe aus. Etwa acht bis neun Tage nach der Infektion kommt es zur Virämie.
Der Verlauf der Erkrankung hängt maßgeblich vom Immunstatus des betroffenen Tieres ab. Eine effektive humorale und zelluläre Immunantwort kann die weitere Ausbreitung des Virus im Körper verhindern, sodass es binnen 14 Tagen symptomlos eliminiert wird. In Einzelfällen entwickeln solche Tiere dennoch verzögert neurologische Symptome oder die sogenannte Hartballen-Krankheit („hard pad disease“).
Bei unzureichender Immunantwort hingegen kann sich das Virus nach der Virämie in verschiedenen epithelialen Geweben sowie im zentralen Nervensystem (ZNS) ausbreiten. Über Lymphozyten und Makrophagen gelangt der Erreger in das Knochenmark, in lymphatische Organe sowie zwischen dem siebten und neunten Tag post infectionem in die Lamina propria der Schleimhäute. Ein besonderer Tropismus besteht für die Epithelien der Atemwege, des Magen-Darm-Trakts, des Urogenitaltrakts sowie der Augen.
Die klinischen Symptome der Staupe variieren stark und hängen von mehreren Faktoren ab – unter anderem vom Alter des Tieres, der Virulenz und dem Organtropismus des Erregers sowie von der Immunlage des Hundes. Auch das gleichzeitige Vorhandensein weiterer Krankheitserreger, insbesondere Sekundärinfektionen oder Co-Infektionen mit Parvo-, Adeno- oder Coronaviren, kann den Krankheitsverlauf beeinflussen. Ein Großteil der Infektionen mit dem Canine Distemper Virus (CDV) verläuft jedoch subklinisch, das heißt ohne erkennbare Symptome.
Je nach betroffenem Organsystem unterscheidet man vier Hauptformen der Erkrankung, die jeweils mit charakteristischen Symptomen einhergehen. Dabei kann Fieber in wiederkehrenden Schüben auftreten:
- Respiratorische Form: Befall der Atemwege mit Husten, Nasen- und Augenausfluss, Atemnot
- Gastrointestinale Form: Symptome wie Erbrechen und Durchfall
- Kutane Form: Hautveränderungen, meist in Form von pustulösen oder hyperkeratotischen Läsionen
- Zentralnervöse Form: neurologische Ausfälle wie Ataxie, Krämpfe oder Verhaltensänderungen
Darüber hinaus treten häufig gemischte Verlaufsformen auf, bei denen mehrere Organsysteme gleichzeitig betroffen sind.
Es besteht keine Gefahr für den Menschen.
Das Virus betrifft neben dem Hund auch Wildtiere wie Dachs, Baum- und Steinmarder, Fuchs, Iltis, Wiesel, Fischotter sowie Wolf und zunehmend auch der Waschbär. Hier können sich Hunde ebenfalls anstecken.
Da bislang keine gesicherten Daten zur Wirksamkeit antiviraler Medikamente vorliegen, erfolgt die Behandlung der Staupe rein symptomatisch. Hunde mit ausgeprägten respiratorischen oder gastrointestinalen Symptomen sollten stationär aufgenommen und intensiv betreut werden, insbesondere durch eine gezielte Infusionstherapie zur Stabilisierung des Kreislaufs und Ausgleich von Flüssigkeits- und Elektrolytverlusten.
Respiratorische Verlaufsformen gehen nahezu immer mit bakteriellen Sekundärinfektionen einher, die eine antibiotische Behandlung notwendig machen. Bei Patienten mit Pneumonie sind zusätzlich supportive Maßnahmen wie Sauerstoffgabe, Inhalationstherapie, Coupage (Klopfmassage zur Sekretmobilisation) sowie schleimlösende Medikamente angezeigt.
Die Prognose verschlechtert sich deutlich bei zentralnervöser Beteiligung. Zwar können einzelne Tiere auf antiepileptische Medikamente ansprechen, jedoch sind neurologische Symptome in der Regel ein ungünstiger Prognosefaktor.
Die Ständige Impfkommission Veterinärmedizin (FLI) empfiehlt eine Grundimmunisierung mit einem attenuierten Lebendimpfstoff in der 8., 12. und 16. Lebenswoche, gefolgt von einer Auffrischung nach einem Jahr. Danach sind Wiederholungsimpfungen im Abstand von drei Jahren ausreichend und bieten zuverlässigen Schutz.
Neben der medizinischen Versorgung ist auch die Isolation des erkrankten Tieres entscheidend, um eine Weiterverbreitung des Virus zu verhindern. Hygienemaßnahmen spielen hierbei eine zentrale Rolle. Da es sich beim Canine Distemper Virus um ein behülltes Virus handelt, lässt es sich mit handelsüblichen Desinfektionsmitteln wirksam inaktivieren. Auch Hitze und direkte Sonneneinstrahlung zerstören den Erreger zuverlässig.