Varroose

Varroose (Varroa)

Die Varroamilbe gilt als einer der gefährlichsten Parasiten der Honigbiene (Apis mellifera). Als hochangepasstes Spinnentier aus der Familie der Varroidae verursacht sie die Varroose – eine weltweit verbreitete Erkrankung mit gravierenden Folgen für Bienenvölker. 

Die Varroa destructor ist eine Milbe aus der Familie der Varroidae und der Erreger der Varroose, einer gefährlichen Krankheit der Honigbiene.

Milben gehören zur Klasse der Spinnentiere (Arachnida) innerhalb der Gliederfüßer und stellen die artenreichste Gruppe dieser Klasse dar – weltweit sind über 50.000 Milbenarten bekannt. Sie zeichnen sich durch eine hohe ökologische Anpassungsfähigkeit aus und können in verschiedensten Lebensräumen vorkommen. Etwa die Hälfte aller bekannten Milbenarten lebt im Boden, wobei in qualitativ hochwertigen Böden bis zu 100.000 Individuen pro Quadratmeter nachgewiesen werden können.

Die Weibchen der Varroa destructor sind braun gefärbt, queroval geformt und erreichen eine Größe von etwa 1,3 bis 1,6 Millimetern in der Länge und 1,1 bis 1,7 Millimetern in der Breite. Männchen sind im Vergleich deutlich kleiner, rundoval geformt und gelblich-weiß gefärbt, mit einer Körperlänge von etwa 0,9 Millimetern und einer Breite von 0,8 Millimetern. Bei den Weibchen bedeckt ein nach oben gewölbtes Rückenschild den gesamten Rücken. Dieses Schild sowie die Körperunterseite sind mit zahlreichen kurzen Borsten besetzt.

Die Milbe verfügt über vier kräftige, jedoch kurze Beinpaare, die jeweils mit großen Sauglappen an den Tarsen ausgestattet sind. Die Beine sind in der Regel gekrümmt und ragen nur geringfügig unter dem breiten Rückenschild hervor.

Nur ein Nachkomme ist männlich, alle anderen sind weiblich. Während nur die weiblichen und jugendlichen Stadien parasitisch leben, nehmen Männchen keine Nahrung auf – ihre Cheliceren dienen der Spermaübertragung. Die Paarung erfolgt in der verdeckelten Zelle, danach sterben die Männchen. Die befruchteten Weibchen verlassen mit der schlüpfenden Biene die Zelle. Der komplette Entwicklungszyklus dauert etwa eine Woche.

Die Lebensdauer der Weibchen beträgt im Sommer zwei bis drei Monate, im Winter bis zu acht Monate – außerhalb des Bienenstocks überleben sie jedoch maximal fünf Tage. Die Vermehrungsrate hängt unter anderem von der Anzahl verdeckelter Brutzellen ab.

Varroa-Milben sitzen auf adulten Bienen, meist am Thorax oder Abdomen, und stechen mit ihren Cheliceren in die dünne Haut zwischen den Segmenten, um Hämolymphe zu saugen. Zur Fortpflanzung dringt das Weibchen kurz vor dem Verdeckeln in eine Brutzelle ein – bevorzugt in die Drohnenbrut – und legt dort bis zu sechs Eier ab. Aus diesen entwickeln sich zunächst Protonymphen, später Deutonymphen und schließlich adulte Milben.

Varroa destructor schädigt sowohl erwachsene Bienen als auch deren Brut, indem sie ihnen kontinuierlich Hämolymphe entzieht. Bereits ein geringer Befall von nur ein bis zwei Milbenweibchen pro Brutzelle kann erste Schädigungen verursachen. Die daraus schlüpfenden Bienen sind oft kleiner und haben eine deutlich verkürzte Lebensdauer. Bei starkem Befall treten vermehrt Missbildungen auf, etwa verkürzte Hinterleiber, deformierte Beine oder verkrüppelte Flügel – solche Bienen sind meist nicht überlebensfähig.

Die durch Varroa verursachten Schäden entwickeln sich schleichend über mehrere Jahre. Dabei findet die Vermehrung der Milben überwiegend in der Drohnenbrut statt – bis zu 90 Prozent – während nur ein kleiner Teil in der Arbeiterinnenbrut heranwächst.

Es besteht keine Gefahr für den Menschen. 

Eine vollständige Ausrottung der Varroose ist derzeit nicht möglich. Das Hauptziel der Bekämpfung besteht darin, durch verschiedene Maßnahmen – wie gezielte Brutpflege und den Einsatz zugelassener Akarizide – die Milbenpopulation unter die Schadschwelle zu senken und den Zusammenbruch der Bienenbrut zu verhindern.

In der EU sind nur wenige geprüfte Mittel zur Behandlung zugelassen, unter anderem Mittel basierend auf Ameisensäure, Milchsäure und Oxalsäure. Um Rückstände im Honig zu vermeiden, dürfen diese Präparate ausschließlich nach der Honigernte angewendet werden.